„Die Deutschen haben die koloniale Schuld lange verdrängt. Es ist absurd, aber notwendig, dass die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen an den Afrikanern während der Kolonialzeit ausgerechnet in der Debatte um Straßennamen in Hannover die Öffentlichkeit erreicht. Als Historiker für deutsch-afrikanische Geschichte habe ich an der Universität von Dar es Salaam in Tansania in vielen Diskussionen erleben können, wie präsent Lettow-Vorbecks für die Bevölkerung verheerende und militärisch sinnlose Kriegsführung den Tansanern gewesen ist. Es wäre besser wenn sich die Deutschen auch an die Massenmorde bei der Niederschlagung des Hehe-Aufstandes und den Völkermord an den Herero in Namibia erinnern würden, anstatt sich von den Nachfahren der Täter ins Bockshorn jagen zu lassen. Man sollte in der Tat an Lettow-Vorbeck erinnern: aber nicht mit Straßenamen sondern als das Sinnbild des menschenverachtenden kolonialen Deutschlands, das nie hätte sein dürfen.“