Gerade mal 42 km sind es vom AKW Grohnde in der Gemeinde Emmerthal (Landkreis Hameln) bis nach Hannover – zur Stadt Springe in der Region Hannover sogar nur knapp 30 km.
Nach der fürchterlichen - und leider noch lange andauernden – Reaktorkatastrophe von Fukushima machen sich immer mehr Menschen in der Region Hannover Gedanken, was passiert, wenn es vor ihrer Haustür „GAU-t“.
In Fukushima gibt es derzeit eine 20 km- Sperrzone, die Internationale Atomenergieagentur fordert eine Ausweitung auf 40 km.
1977: „Die Schlacht um Grohnde“
So titelte die Presse die bisher härtesten Auseinandersetzungen zwischen der Anti- AKW-Bewegung und der Polizei am 19. März 1977. Rund 20.000 DemonstrantInnen standen über 5.000 hochgerüstete Polizeikräfte entgegen, die mit äußerster Härte gegen den Versuch vorgingen, „den Bauplatz wieder zur Wiese“ umzuwandeln. Unter diesem Motto kämpften die Menschen 1975 erfolgreich gegen das geplante AKW Wyhl am Kaiserstuhl und im Ergebnis weniger erfolgreich seit 1976 gegen das AKW Brokdorf, das 10 Jahre später ans Netz ging. In Grohnde gelang es bei der Demonstration im März 1977 an einigen Stellen den Bauzaun an dem zur Festung umgebauten Bauplatz einzureißen. Der damalige Innenminister Groß (FDP) soll nach unbestätigten Informationen aus seinem Beraterumfeld damals sogar den Schusswaffengebrauch gegen die DemonstrantInnen erwogen haben. Mit massivem Einsatz von Reiter- und Hundestaffeln wurde schließlich die Platzbesetzung verhindert. Die Bilanz: Über hundert, teils schwer verletzte DemonstrantInnen und auch Einsatzkräfte der Polizei. Die Staatsanwaltschaft leitete 126 Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch ein, fünf Demonstranten wurden zu Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr verurteilt. Presse und niedersächsische Landesregierung machten als „Terrorzentrale“ das Unabhängige Jugendzentrum (UJZ) Kornstraße in Hannover aus, von dem angeblich die Proteste gegen das AKW Grohnde zentral gesteuert wurden.
Ein im Sommer 1977 auf dem vorgesehenen Kühlturmgelände errichtetes Hüttendorf in Grohnde wurde ebenfalls brutal Ende August 1977 von der Polizei geräumt.
Das AKW Grohnde
Das AKW ging 1986 ans Netz. Es handelt sich um einen 1.200 Megawatt Druckwasserreaktor, der etwas weniger störfallanfällig ist als Siedewasserreaktoren der Marke Fukushima. Auch wenn bei den deutschen Reaktoren wegen ihrer zahlreichen Störfälle insbesondere die Atommeiler in Brunsbüttel, Krümmel und Biblis im Zentrum der Kritik standen, kam es auch im AKW Grohnde wegen Problemen im Reaktorbetrieb im Juli 2005 zu unplanmäßigen Sofortabschaltungen. Das AKW Grohnde wird vom Betreiber e.on wegen höherer Energieausbeute mit sog. MOX-Brennelementen (Mischoxiden aus Uranoxid und Plutoniumoxid) betrieben, dem gefährlichsten Atombrennstoff, der auch in Fukushima zum Einsatz kam.
Was bedeutet ein Atomunfall in Grohnde für unsere Region?
Seit Fukushima ist auch Grohnde wieder im Gerede. Die Hannoversche Feuerwehr stellt fest, dass „eine Evakuierung der Menschen aus einer Zone um 25 km um das AKW in den - bisher geheim gehaltenen – Katastrophenplänen gar nicht vorgesehen ist“ (haz. 04.04.2011). An die Hannoveraner Bevölkerung sollen im Ernstfall Jodtabletten verteilt werden. Wo die rund 20.000 Menschen aus der unmittelbaren Umgebung von Grohnde dann untergebracht werden sollen, ist ebenfalls ungeklärt. Die Region Hannover hält sich bisher vornehm zurück und ist offensichtlich damit zufrieden, dass ein Regionsmitarbeiter zum möglichen Krisenstab des Landkreises Hameln gehören kann. Natürlich (??) wird ein Katastrophenplan nicht veröffentlicht. Aber Jodtabletten will man dann verteilen. Vorsorgender Katastrophenschutz sieht anders aus.
Damit es bei einer regionsüberschreitenden Katastrophe mit dem Katastrophenschutz so richtig (nicht!) klappt, gönnt sich die Region Hannover den Luxus, der Landeshauptstadt eine eigen Katastrophenschutzbehörde zu überlassen. Das ist Kirchturmspolitik par exellence zu Lasten der betroffenen BürgerInnen, die im konkreten Notfall wegen zusätzlicher Zuständigkeitsprobleme zwischen Stadt und Region die Gekniffenen wären.
Aber Fakt ist: Selbst die allerbesten Krisenpläne können bei einem Atomunfall nur sehr begrenzt wirken. Das einzige, was wirkt: SOFORT Abschalten!