Mit dem Konzept City 2020 plant die Stadt eine Bebauung des Klagesmarktes mit mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern. DIE LINKE im Rat spricht sich als einzige Fraktion dagegen aus.
Der Klagesmarkt wird von den Hannoveranerinnen und Hannoveranern seit Jahrhunderten als Ort für Veranstaltungen und Demonstrationen genutzt. Insbesondere im 20. Jahrhundert haben dort immer wieder
linke und demokratische Gruppen zuerst gegen den historischen Faschismus und dann gegen Neonazis demonstriert. „Wir wollen den Klagesmarkt deshalb als Ort der ‚Geschichte von unten‘, aber auch als
Platz für zukünftige Veranstaltungen und Demonstrationen erhalten“, unterstreicht Oliver Förste, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Rat.
„Ich kann es auch überhaupt nicht verstehen, dass die Gewerkschaftsspitzen in Hannover sich damit einverstanden erklärt haben, in Zukunft auf den Klagesmarkt als Veranstaltungsort der traditionellen 1.-Mai-Kundgebungen zu verzichten. Schließlich liegt dieser Platz zentral zwischen den Zentralen der Einzelgewerkschaften und des DGB.“ Der Trammplatz vor dem Rathaus sei deshalb kein wirklicher Ersatz für den Klagesmarkt, auch würden dort längst nicht so viele Stände und Besucher hinpassen, so Förste.
Die geplante Bebauung des Klagesmarktes steht im Zusammenhang mit der zunehmenden Verdichtung der Innenstadt auch an anderen Orten. So hat die Stadt bereits beschlossen, den Andreas-Hermes-Platz hinter dem Bahnhof und den Steintorplatz zu bebauen. Wenn aber Steintor und Klagesmarkt zugebaut würden, dann gäbe es im ganzen nordwestlichen Teil der Innenstadt keine öffentlichen Plätze für Veranstaltungen mehr. Das gilt nicht nur für politische Versammlungen, sondern auch für den Marktschreier-Wettbewerb oder Sportereignisse wie das Beachvolleyball-Turnier.
Auch städtebaulich hält Ratsherr Oliver Förste das Projekt nicht für sinnvoll. So würden mit der Bebauung die bemerkenswerte Sichtachse von der Goseriede bis zur Christuskirche und die bisherige Funktion des
Klagesmarktes als Kaltluftschneise verloren gehen. „Wir wenden uns ganz entschieden gegen den Ausverkauf öffentlicher Plätze an private Investoren. Der öffentliche Raum gehört allen Bürgerinnen und Bürgern, und die Stadt braucht genügend Luft zum Atmen.
DIE LINKE wird deshalb ein alternatives Konzept zur Verschönerung des Klagesmarktes bei Erhalt der Freifläche vorlegen.“