Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Wintereinbruch in Hannover: Keine Verkehrswende bei Schnee und Eis

Keiner kann behaupten, dass die Grenzwetterlage überraschend kam. Die Wetterdienste hatten Tage vorher einen ungewöhnlich heftigen Wintereinbruch in Niedersachsen und darüber hinaus prognostiziert. Dennoch kam es in vielen niedersächsischen Gemeinden zum Stillstand im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Bahn- und Busbetriebe mussten eingestellt werden. Menschen sahen sich mit der Frage konfrontiert, wie sie zu ihren Arbeitsplätzen, zu ihren Ausbildungsplätzen oder zu medizinischen Einrichtungen gelangen sollten.

Dennoch ist die Lage in Hannover besonders ernüchternd. Die Tageszeitung (taz) vom 13.2.2021 titelte bereits „Das Rätsel von Hannover“. Hintergrund ist der Umstand, dass scheinbar lediglich in Hannover der Wintereinbruch zu dramatischen Schäden in der Verkehrsinfrastruktur geführt hat. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) vom 12.2.2021 zitiert den Dachverband der Verkehrsunternehmen (VDV) mit den Worten, dass ein vergleichbarer Fall wie Hannover nicht bekannt sei.

An knapp 50 Stellen waren im Straßenbahnnetz Betonplatten durch Witterungseinflüsse angehoben oder Asphaltdecken brüchig geworden. Selbst technischen Laien war schnell klar, dass an einen regulären Bahnbetrieb in Hannover nicht zu denken ist. Wohl auf Tage oder Wochen hinaus. Dass jedoch auch der Schienenersatzverkehr nicht oder nicht ausreichend angeboten wurde, gehört zur weiteren Agenda des Versagens der örtlichen Verantwortlichen des Nahverkehrs.

„Eine umfassende Schadensanalyse wird erst nach Ende des Winterwetters möglich sein“ zitiert die HAZ Elke van Zadel vom Üstra-Vorstand. Dabei sollen jetzt auch Sachverständige des TÜVs helfen. Es bleibt die Frage, ob die genaue Aufklärung der Sachverhalte im Interesse der örtlichen Politik liegt. Und es bleibt auffällig, dass mangelhafte Bauausführungen bereits frühzeitig von der Üstra als Schadensgrund ausgeschlossen wurden.

Daher muss jetzt eine grundlegende Aufklärung des „Rätsels von Hannover“ im  Vordergrund der kommunalen Verkehrspolitik liegen. Dazu gehört eine sorgfältige Prüfung der Schadensanalyse der kommunalen Verkehrsbetriebe. Genauso wie zu beobachten sein wird, wie schnell der Nahverkehr in Hannover wieder seinen üblichen Gang aufnimmt. Dass die Verkehrswende in Hannover bei Schnee und Eis ausbleibt ist indes perspektivisch nicht hinnehmbar, gerade vor dem Hintergrund, dass der motorisierte Individualverkehr den Wintereinbruch scheinbar stabil überstanden hat.

Bereits vor dem Wintereinbruch der letzten Tage zeigten sich die  Verkehrsplaner vor Ort wenig innovativ in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit. Gigantische Stadtautobahnen wie der Neubau der B3 verschlingen dreistellige Millionensummen. Jede Wette, dass mit diesem Geld der Verkehr in Hannover winterfest gemacht werden könnte.